Möglichkeiten zur Stickoxid-Reduzierung

© RfK/Bachmann
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Technische Maßnahmen

 

Die Belastung der Luft mit Stickoxiden ist stark von lokalen Emissionsquellen abhängig. Vor allem der Verkehr vor Ort spielt dabei die wichtigste Rolle. Entsprechend können lokale/regionale Maßnahmen sehr schnell zur Verringerung der NO2-Belastung führen. Grundsätzlich stehen zur Reduzierung der Stickoxidbelastung technische, planerische/ordnungsrechtliche und verhaltensändernde Maßnahmen zur Verfügung.

 

Da der Verkehr, und dort insbesondere der Schwerlastverkehr bzw. Busse, den Großteil der Belastung ausmachen, sollten hier alle technischen Möglichkeiten zur Reduzierung der Emissionen genutzt werden. Die Nachrüstung bereits im Betrieb befindlicher Fahrzeuge mit Systemen zur Stickoxidminderung (z.B. SCR - Selektive Catalityc Reduction) ist eine sehr wirkungsvolle Maßnahme, den NOx-Ausstoß zu reduzieren. Seit vielen Jahren wird dieses Verfahren erfolgreich bei Linienbussen verfolgt. Testmessungen im Linienbetrieb kamen in Berlin, London oder Madrid zu den Ergebnissen, dass der Ausstoß von Stickstoffdioxid um 55 bis 90 Prozent gesenkt werden kann.

 

Der Pkw-Verkehr, und dort insbesondere Dieselfahrzeuge, hat auch seinen Anteil an der NO2-Problematik. Nachrüstung kommt dabei, vor allem aus Kostengründen, nicht in Frage. Doch bereits heute bieten mehrere Hersteller Fahrzeuge an, die serienmäßig mit SCR-Technologie ausgestattet sind. Für Pkw treten mit der ab September 2015 für alle Neufahrzeuge verbindlichen Euro 6-Abgasstufe wesentlich strengere Stickoxid-Grenzwerte in Kraft. Bei Nutzfahrzeugen ist dies bereits ab 1.1.2014 der Fall, wenn EURO VI für alle Neufahrzeuge verbindlich wird. Dies kann, auf längere Sicht, die Stickoxidbelastung reduzieren, wirkt aber angesichts der aktuellen und drängenden Belastung in vielen Städten zu langsam.

 

Planerische Maßnahmen

 

Städte mit Stickoxidproblemen können neben der technischen Optimierung des kommunalen Fuhrparks (inkl. der Nahverkehrsunternehmen) auf planerischer Ebene Einfluss nehmen. Da der motorisierte Verkehr die Hauptursache der Stickoxidemissionen ist, wäre die konsequente Unterstützung des nicht-motorisierten Verkehrs die beste Lösung. Die Förderung des Radverkehrs durch ein gut ausgebautes Radverkehrsnetz, mehr und sichere Fahrradabstellanlagen und die Etablierung einer fahrradfreundlichen Verkehrspolitik mit entsprechender Mittelausstattung sind nötig. Ebenso muss das zu Fuß gehen als die erste Alternative für kurze Wege verstanden und entsprechend gefördert werden.

 

Daneben stehen Kommunen viele weitere Möglichkeiten zur Verfügung: Geschwindigkeitsbegrenzungen (z.B. Tempo 30 als Basisgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften), Verstetigung des Verkehrs durch optimierte Ampelschaltungen, Ausweitung des Parkraummanagements oder kommunales Mobilitätsmanagement, bei dem die Bewohner über Alternativen zum eigen Fahrzeug aufgeklärt werden.

 

Aus Verkehrssicht oberste Priorität sollte die Förderung des ÖV haben. Ein attraktiver und leistungsstarker ÖV ist Voraussetzung für Verlagerungen vom MIV zu Bus und Bahn und bietet somit nicht nur enorme Vorteile bezüglich der Luftqualität, sondern reduziert zudem den Verkehrslärm und erhöht die Sicherheit.

 

Die Ausweisung von Fahrzeugen, die besonders geringe Stickoxidemissionen aufweisen, wäre eine weitere Maßnahme. In Anlehnung an das existierende System für Umweltzonen würde eine neue Plakette (im Gespräch ist die blaue Plakette) entwickelt werden. Dabei sollte technikneutral vorgegangen werden, also unabhängig davon ob das Fahrzeuge serienmäßig Euro 6/VI besitzt, mit SCR nachgerüstet oder ein Elektrofahrzeug ist.

 

Verhaltensändernde Maßnahmen

 

Jeder kann durch eigenes Handeln die Luftqualität verbessern. Zu Fuß gehen oder die Benutzung des Fahrrads im Nahbereich, die Wahl des ÖV für weiter entfernte Ziele oder die Bahn für die Langstrecke: der Verzicht auf das Auto ist die wirksamste Maßnahme um den Schadstoffausstoß zu reduzieren. Bei Kauf eines Autos sollte neben dem Kraftstoffverbrauch (und somit gleichbedeutend dem CO2-Ausstoß) auch der Schadstoffaustoß berücksichtigt werden. Die VCD Auto-Umweltliste, die jährlich mehrere hundert Autos nach ökologischen Kriterien bewertet, gibt hierbei fundierte Entscheidungshilfe.