Luftverschmutzung in Häfen

NABU/Rieger
NABU/Rieger

Neben den "normalen" Verkehrsabgasen haben Hafenstädte zusätzlich mit den Emissionen aus der Schifffahrt zu kämpfen. Gerade dort, wo Hafenanlagen inmitten dicht besiedelter Siedlungsgebiete liegen, verschlechtern die ungefilterten Abgase die Qualität Atemluft mitunter erheblich. In Hamburg beispielsweise trägt der Hafen mit 17% zur Feinstaub- und mit 38% zur stickoxidbelastung bei. Allein bei 160 Kreuzfahrtanläufen im Jahr 2012 wurden zusätzlich 3,5 t Ruß- und Feinstaub emittiert.

 

Um auf die hohe Feinstaubkonzentration im Hafenbereich hinzuweisen, hat der NABU unter anderem am Kreuzfahrtterminal in Warnemünde und in Hamburg nachgemessen. Während der Einlaufparade des Hamburger Hafengeburtstags 2014 beispielsweise ermittelte der NABU mit einem speziellen Messgerät wie hoch der Anteil an ultrafeinen Partikel in der Luft lag. Den höchsten Ausstoß verzeichneten die Umweltschützer mit deutlich über 200.000 Partikeln pro Kubikzentimeter auf der stark besuchten Festmeile. Der als unbedenklich geltende Wert von 2.500 Partikeln wurde somit um mehr als das 80fache überschritten.

 

„Unsere Messergebnisse sind ein deutliches Alarmsignal. Noch immer genießt die Schifffahrt unerhörte Verschmutzungsprivilegien, die heute in Hamburg für alle Besucher spürbar waren. Allein in Europa sterben jedes Jahr 50.000 Menschen vorzeitig an den Folgen der Schiffsemissionen“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Während im Straßenverkehr Euro-6-Abgasnormen für Pkw und Lkw, schwefelarmer Kraftstoff und Umweltzonen zu einer deutlichen Minderung der Emissionen geführt haben, fahren derzeit beinahe alle Schiffe ohne Abgastechnik. Erschwerend hinzu kommt, dass Schiffe in der Regel giftiges Schweröl tanken. Dieses darf bis zu 3.500-mal mehr Schwefel enthalten als Pkw-Diesel.

 

„Aus Gesundheits- und Umweltsicht ist es vollkommen unverständlich, dass Container- und Kreuzfahrtschiffe die Luft noch immer so massiv verschmutzen dürfen. Zumal sie, wie hier in Hamburg, häufig in dicht besiedelten Gebieten ankern. Ihre Abgase werden dabei über die ganze Stadt verteilt. Dadurch schafft sich ein großer Hafen wie Hamburg auch große Probleme“, so NABU-Verkehrsexperte Daniel Rieger. Damit das Traditionsvolksfest Hafengeburtstag zu einem unbedenklichen Vergnügen werde, sei es dringend nötig, die Schifffahrt sauberer zu machen.

 

Der NABU fordert dazu die Umstellung von Schweröl auf Diesel sowie die Ausrüstung aller Schiffe mit wirksamer Abgastechnik. „Auch die Stadt Hamburg muss mit gutem Beispiel vorangehen und sämtliche Schiffe der stadteigenen HADAG-Fähren sowie der Hamburg Port Authority mit Filtertechnik nachrüsten“, forderte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

 

Kontakt: Daniel Rieger, NABU-Verkehrsexperte, Daniel.Rieger@NABU.de, 030-284984-1927