Filter für alle Baumaschinen - Aus Gründen des Klima- und Gesundheitsschutzes

Bericht zum „Woche der Umwelt“-Fachforum Baumaschinen und Luftreinhaltung

Die Deutsche Umwelthilfe e.V. veranstaltete am 05. Juni 2012 ein Fachforum zum Thema Luftreinhaltung und Baumaschinen in Berlin. Als Podiumsteilnehmer gestalteten Dr. Wichmann vom Helmholtz Institut, IG BAU Holger Bartels von der IG Bauen Agrar Umwelt, Dr. Axel Friedrich sowie der Bundesgeschäftsführer der DUH Jürgen Resch die Diskussion.

Hintergrund – Klima- und Gesundheitswirkung

Dieselruß ist für die Hälfte des Klimawandels in der Arktis verantwortlich und für diese Region somit ein ebenso wichtiger Klimatreiber wie CO2. Hierauf wies Dr. Axel Friedrich als international tätiger Verkehrsexperte hin. Und zeigte deutlich auf, dass es besonders wichtig ist die kurzlebigen Klimarelevanten Stoffe zu reduzieren um so Zeit zu gewinnen, die für die Reduktion von langlebigen Klimatreibern wie CO2 notwendig ist. Aber auch am Ort der Entstehung hat die Reduktion von Dieselruß besondere Vorteile, denn er zählt zu den besonders gesundheitsgefährdenden Bestandteilen von Feinstaub (PM10) und bewirkt beim Menschen Asthma, Allergien, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen und Krebs.

 

In seinem Eingangsstatement ging Prof. Dr. Wichmann deutlich auf die Gefährdung der Gesundheit durch Dieselruß ein und wies insbesondere auf die Situation der Baustellenarbeiter hin. Diese sind, gegenüber der Normalbevölkerung, einem doppelt so hohen Krebsrisiko ausgesetzt. Das ergaben die Studien, die Herr Prof. Dr. Wichmann am Helmholtz Institut durchgeführt hat.

 

Erklärt werden kann diese besondere Belastung durch die extrem hohe Konzentration der Luftverschmutzung mit Dieselruß im Bereich von Baustellen. Die Gründe hierfür sind die späte Einführung verhältnismäßig schwacher Grenzwerte für Baumaschinen, der tägliche Dauereinsatz der Maschinen am selben Ort über einen längeren Zeitraum hinweg. Wissenschaftliche Studien belegen, dass in deutschen Städten inzwischen mehr Dieselrußemissionen aus Baumaschinen stammen als aus dem Straßenverkehr.

 

Arbeitsschutz

Herr Bartels, Abteilungsleiter Agrar und Umwelt der Industriegewerkschaft Bauen – Agrar – Umwelt (IG BAU), wies deshalb auch darauf hin, dass die bisherigen Regelungen nicht ausreichen, um Menschen die ihre Arbeit in unmittelbarer Nähe zu den Maschinen verrichten, ausreichend zu schützen. Denn trotz der hohen Emissionen gibt es für die auf Baustellen eingesetzten Maschinen bislang keine bundesweit geltende Abgasreinigung. Lediglich beim Einsatz in ganz oder teilweise geschlossenen Räumen, wie Tunneln und Hallen, gilt die Filterpflicht.

 

Der Bundesgeschäftsführer der DUH Jürgen Resch kritisierte die bisherige Sonderbehandlung für Baumaschinen als nicht nachvollziehbar und fahrlässig, zumal eine effiziente Filtertechnologie zur Feinstaubvermeidung längst verfügbar ist.

 

Forderungen des Bündnisses "Rußfrei fürs Klima"

Daher fordert die DUH die Bundesregierung auf, das bestehende Bundesimmissionsschutzgesetz zu erweitern und eine Plakettenregelung für Baumaschinen in Umweltzonen einzuführen. Auch müsse die „Technische Regel für Gefahrstoffe“ (TRGS 554), die den erlaubten Ausstoß von Dieselabgasen vorgibt, um offene Einsatzgebiete ergänzt werden. Nur so könnte die umfassende und ortsunabhängige Filterpflicht für Baumaschinen garantiert werden.

 

Bis zur Umsetzung und Anpassung der Rechtslage sieht die DUH kurzfristig vor allem die öffentliche Hand in der Pflicht, die bei der öffentlichen Ausschreibung von Bauvorhaben direkt Einfluss nehmen und den Einsatz von Filtern vorschreiben kann.

 

Modellprojekt Berlin

 Im Zuge der offenen Diskussion mit den Besuchern des Forums stellte Herrn Schlickum vom Senat Berlin ein Pilotprojekt vor, bei dem 40 Baumaschinen auf unterschiedlichen Baustellen mit einem Filter ausgerüsten werden. Ziel ist es zu zeigen, dass der nachträgliche Einbau von Filtersystemen sinnvoll, möglich, kosteneffizient ist und für die Baufirmen keine Probleme mit der Gewährleistung der Maschinen entstehen.

 

Fazit

Das Fachforum konnte seinen zahlreichen Besuchern einen guten Überblick über die derzeitige Situation der Luftreinhaltung auf Baustellen auf der einen Seite und der mangelnden Vorgaben durch den Gesetzgeber auf der anderen Seite geben. Zahlreiche Wortmeldungen aus dem Publikum bestimmten eine lebhafte Debatte, an deren Ende nochmals die Forderung der Podiumsteilnehmer des Fachforums deutlich wurde:

Eine flächendeckende Filterpflicht für dieselbetriebene Baugeräte.