Stickstoffoxide − das Umweltproblem auf dem Land und in der Stadt

Dringender Handlungsbedarf im Verkehrsbereich bei Pkw, Lkw und Schiffen

In dem heute veröffentlichten Sondergutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU), bezeichnen die sieben Ratsprofessorinnen und -professoren die Belastung von Mensch und Umwelt durch Stickstoffverbindungen, als „eines der größten ungelösten Umweltprobleme unserer Zeit”. Zu Recht, denn die menschengemachten Stickstoffe führen zu einer massiven Versauerung der Böden und Gewässer, schaden dem Klima und der menschlichen Gesundheit. In der Landwirtschaft wie auch im Verkehrssektor besteht deshalb dringender Handlungsbedarf.

Zwar existieren seit 2010 verbindliche EU-Grenzwerte u.a. für Stickstoffdioxid, das größte Problem im Verkehrsbereich, diese werden in Deutschland allerdings in vielen Gebieten regelmäßig überschritten. Die EU hat deswegen bereits eine sogenannte Pilotanfrage an die Bundesregierung gestellt, der erste Schritt zu einem Vertragsverletzungsverfahren. Die Bundesregierung wurde darin aufgefordert zu zeigen, wie der Grenzwert dauerhaft eingehalten werden kann.

Aus Sicht des ökologischen Verkehrsclub VCD müssen mehrere Maßnahmen konsequenter verfolgt werden. Heiko Balsmeyer, Projektleiter des Projektes Clean Air beim VCD: „An erster Stelle müssen neue Pkw mit der Abgasnorm Euro VI/6 endlich auch im realen Fahrbetrieb die Grenzwerte für Luft-schadstoffe einhalten. Bislang ist das nicht der Fall. Laut dem International Council for Clean Transport liegen beispielsweise die Realemissionen neuer Diesel-Pkw im Mittel mehr als siebenfach über dem Grenzwert. Weitere effektive Maßnahmen wären die Beendigung der steuerlichen Bevorteilung von Dieselfahrzeugen, die Weiterentwicklung der Umweltzonen, die Anpassung der Lkw-Maut und die Nachrüstung von Bussen und Nutzfahrzeugen mit selektiver katalytischer Reduktion (SCR).”

Ein kurzfristig und kostengünstig umsetzbares Mittel zur Senkung der NO2-Belastung, sind Geschwin-digkeitsbeschränkungen. „Ob Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Städten oder das Tempolimit auf Autobahnen,  wir müssen die Debatte über die Vorteile der Temporeduktion endlich aus der Tabuzone holen”, betont Heiko Balsmeyer. Die Einführung von Emissionsstandards für den Schiffsverkehr und die Verlagerung von Verkehr auf die umweltverträglichen Verkehrsmittel können das Maßnahmenpaket sehr wirksam ergänzen.

In den kommenden Tagen wird auf europäischer Ebene über den Beibehalt des außerordentlich wichtigen Luftreinhaltepaketes entschieden. Für die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit der europäischen Luftreinhaltepolitik ist es entscheidend, dass die EU-Kommission jetzt unmittelbar in den Gesetzgebungsprozess geht und nicht noch eine weitere Änderungsrunde  anberaumt.


Zum Hintergrund:
Stickstoffoxide (NOx) sind eine Sammelbezeichnung für verschiedene gasförmige Verbindungen, die aus den Atomen Stickstoff (N) und Sauerstoff (O) aufgebaut sind. Stickstoffoxide entstehen vor allem bei der Verbrennung von Diesel und Benzin im Straßenverkehr. Moderne Benzinmotoren produzieren dank Kataly-sator kaum noch Stickoxide, neue Dieselfahrzeuge haben in der Hinsicht dagegen noch Nachholbedarf. Laut einer von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studie gibt es europaweit jährlich etwa 400.000 vor-zeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung. Stickstoffdioxid schadet als Vorläufersubstanz für Ozon und Feinstaub dem Klima. Zusammen mit Kohlenwasserstoffen sind Stickstoffoxide für die sommerliche Ozon-bildung verantwortlich und tragen zur Versauerung von Böden und Gewässern bei.


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