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26. August 2011
Dieselruß und NO2 schaden Gesundheit und Klima – Um die Gesundheit der Magdeburger BürgerInnen und das Klima besser zu schützen, muss die Umweltzone richtig ausgestaltet werden. Zusätzlich müssen Maßnahmen ergriffen werden, die über die Einführung der Umweltzone hinausgehen.
 
Die Kampagne „Rußfrei fürs Klima“ zeigt sich erfreut über die Einführung der Magdeburger Umweltzone zum 01.09.2011. Zeitgleich wird mit Halle/Saale eine zweite Stadt in Sachsen-Anhalt diesen Schritt gehen. Allerdings wird aufgrund von weitgehenden Ausnahmeregelungen sowie der mangelhaften räumlichen Ausgestaltung – die Bundesstrasse 71 führt direkt durch die Umweltzone und ist vom Fahrverbot ausgenommen – das Potential, das eine Umweltzone zur Dieselrußreduzierung bietet, bei weitem nicht ausgeschöpft. Auch Maßnahmen, die über die Schaffung der Umweltzone hinausgehen, müssen vermehrt ergriffen werden. Dies stellten heute Vertreter des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) im Rahmen einer Pressekonferenz klar. Zugleich wurde noch einmal auf die enormen klimatischen Folgen von Dieselruß hingewiesen, dem gefährlichsten Bestandteil des Feinstaubes. Dieselruß entsteht fast ausschließlich bei der Verbrennung von Treibstoff in Dieselmotoren.
 
Der Plan, die Einfahrt für Fahrzeuge mit gelber Umweltplakette in die Umweltzone erst ab dem 01.01.2013 zu verbieten, sei vor dem Hintergrund Überschreitungen nicht ausreichend. Über eine schnellere Verschärfung und eine Ausweitung der Umweltzone müsse man sich dringend Gedanken machen. Untersuchungen aus anderen Städten hätten gezeigt, dass eine möglichst große Umweltzone, die als Einfahrbedingung die grüne Plakette voraussetze und nur wenig Ausnahmen erlaube, deutliche Effekte für die Verbesserung der Luftqualität habe.
 
Dr. Axel Friedrich, internationaler Verkehrsberater, belegte dies eindrücklich mit Zahlen aus Berliner Untersuchungen. Dort seien seit der Einführung der zweiten Stufe der Umweltzone, mit Zufahrt nur für Fahrzeuge mit grüner Plakette zum 01.01.2010, bereits 58 Prozent weniger Dieselrußpartikel gegenüber dem Trend ohne Umweltzone und 40 Prozent weniger gegenüber der 1.Stufe, mit Fahrerlaubnis auch für gelbe und rote Plaketten, gemessen worden. „Eine möglichst große Umweltzone hat einen doppelten Effekt“, weiß Friedrich. “Durch die Verminderung von Dieselrußemissionen hilft sie, die Gesundheit der Menschen zu verbessern und das Klima zu schonen.“ Er forderte deshalb, die Magdeburger Umweltzone schnellstmöglich zu vergrößern und in Magdeburg, wie in Leipzig, Berlin und Hannover die Anforderung für die Umweltzonen bereits zum nächsten Jahreswechsel auf die grüne Plakette umzustellen.
 
Oliver Wendenkampf, Landesgeschäftsführer des BUND Sachsen-Anhalt und Vorsitzender des Umweltausschusses der Stadt Magdeburg, forderte eine Verbesserung der Alternativen zum Autoverkehr. „Die Einführung der Umweltzone ist ein Schritt in die richtige Richtung, allerdings verlangt der BUND zusätzlich die Umsetzung einer ambitionierten Vermeidungsstrategie für den motorisierten Individualverkehr und den Verzicht auf den Magdeburger City-Tunnel, der den LKW-Verkehr mitten in die Umweltzone schleusen würde. Die Bedingungen für die Nutzung von Bahn und Rad in Magdeburg müssen weiter verbessert werden.“ So könne auch das zweite Problem der Innenstadt, die erhöhten Stickstoffdioxid(NO2)-Werte, besser angegangen werden. Wendenkampf zeigte sich auch in Fragen der Gestaltung der Umweltzonen unzufrieden. „Die B 71, den Universitätsplatz, die Einfahrt in das Parkhaus des Alleecenters und die Maybachstraße aus der Umweltzone auszunehmen ist falsch und torpediert deren Wirkung“. Auch die Gestaltung der Ausnahmeregelungen sei viel zu weitgehend. Diese gelten zunächst bis Ende 2013 und umfassen unter anderem alle Anwohner und Gewerbetreibende mit Sitz innerhalb der Umweltzone. Gleichzeitig soll die Wirkung des Instruments schon nach einem Jahr bewertet werden. Angesichts der schwachen Regelungen seien in diesem Zeitraum jedoch keine umfassenden Verbesserungen zu erwarten.
 
Auf einen weiteren Emittenten von Dieselruß in Magdeburg ging Dorothee Saar, Leiterin Verkehrsbereich der Deutschen Umwelthilfe, ein. Auch Baumaschinen seien ein nicht zu unterschätzendes Problem. „Magdeburg muss durch eine geeignete Anpassung der öffentlichen Ausschreibung, die verbindliche Ausstattung von Baumaschinen mit Partikelfilter auf Baustellen der Stadt vorschreiben. Denn durch die hohe Zahl an Einsatzstunden am selben Ort sowie die Nutzungsdauer der Maschinen über viele Jahre tragen Baumaschinen zu einem Viertel der innerstädtischen, verkehrsbedingten Rußemissionen bei.“